Zasterparade
Natürlich war früher alles besser. Auch die Loveparade.In den 90ern war ich einige Male in Berlin und feierte vor und hinter der Absperrung. Als 1999, mehr oder weniger vor unseren blinden Augen und nur ein paar Meter von uns entfernt, ein Mensch erstochen wurde, war das Ding für mich endgültig gegessen.
Natürlich werden jetzt Stimmen laut, in Berlin wäre das nicht passiert. Die Parade sei – und es ist wirklich so - nicht mehr das was es war, sondern nur noch eine Kommerz-Veranstaltung. In den letzten Jahren ging einem das Gezerre ... auf die Eier. Glücklich, die es noch anders erlebt haben. Von einer Parade – Harmonie durch Musik - konnte man schon lange nicht mehr reden.
Die Schuld an dem Desaster in Duisburg muss nicht gesucht werden, denn sie liegt klar und deutlich zutage. Eine solche Masse durch einen Käfig zu schleusen, als wäre das Ganze nur eine Konzertveranstaltung, ist bittere Dummheit. Selbst als alles klar war, suchten die Verantwortlichen die Schuld bei den Opfern. Bleibt die Frage ob man das Ding nicht sofort abbrechen hätte sollen. Und nur weil jeder nachplappert was die Verantwortlichen als (Ausrede-)Argument für das Weiterlaufen bringen, wird es nicht Wahrheit. Ein DJ Kollege schreibt mir in einer Mail, dass sie zwar informiert wurden, es «sei was passiert» und sie sollten die Menge bei Stange halten. Aber keiner der Verantwortlichen hätte auch nur eine Träne vergossen, sondern man hätte sich sogar Gedanken um die Besucherzahlen gemacht. Der Rekord sei nun wohl nicht mehr zu knacken, wäre geäußert worden.
Aus den Aufnahmen wird klar, dass niemand so richtig begriffen hat, was da unten wirklich passierte. Die Einsatzkräfte reagieren nämlich gar nicht, außer dass sie versuchen die Menge eingezäunt zu halten. Man kann es ihnen nicht verdenken, denn dafür wurden sie bereit gestellt. Notausgänge blieben geschlossen – so wie sich das gehört.
Fragen wir uns, wie man sich vorgestellt hat die Masse von Menschen mitten in der Nacht - nach der Party - durch diese Schleuse zu bekommen. Ich wage zu bezweifeln dass es dann «nur» 19 Opfer gegeben hätte.
Bitter. Das Ganze ist einfach nur bitter.
Beileid an alle Hinterbliebenen, gute Besserung an alle Verletzten.
image: via AFP
